· 

Cyclocross Weltcup-Finale - Hoogerheide, NL

Am vergangenen Wochenende fand im Zuge des GP Adrie van der Poel - seit mehr als 25 Jahren ein Klassiker in der CX-Szene - das Finale des Cyclocross-Weltcups in Hoogerheide (NL) statt. Neben Besichtigungen des Austragungsortes der ersten Tour de France Etappen 2015, Utrecht und der Fahrradhauptstadt Amsterdam, war das Grund genug für einige cycleneers einen Flug ins Radland Holland zu buchen.

Tag 1 - Utrecht

Der erste Tag des Wochenendtrips startete für uns bereits sehr früh um 5:30 Uhr mit der Anreise zum Flughafen Wien Schwechat, wo es dann mit KLM weiter nach Amsterdam ging. Am Flughafen Schiphol angekommen, und bereits das Zugticket weiter nach Utrecht in der Hand, folgte dann erste Ernüchterung - landesweiter Stillstand des Zugverkehrs... Grund dafür waren die "tiefwinterlichen" Wetterverhältnisse mit ca. 2 cm Schnee und Eis. Nach einer mehr als einstündigen Odyssee zum Bahnhof Amsterdam Centraal via Ersatzbus und Metro kam langsam Erleichterung auf als über die Lautsprecher bereits angekündigt wurde dass der Zugbetrieb wieder aufgenommen wird.

Mit zwei Stunden Verspätung erreichten wir endlich Utrecht. Die Hauptstadt der Provinz Utrecht ist die viertgrößte der Niederlande, und natürlich steht auch hier das Fahrrad ganz im Mittelpunkt. Sofort fällt einem auf, dass das Fahrrad einen komplett anderen Stellenwert hat als in Österreich. Wo es hierzulande Gehsteig und Fahrbahn gibt, gibt es im Radland Niederlande noch zusätzlich zwei großzügig ausgeführte Radstreifen, welche den selben Vorrangstatus wie Straßen innehaben. Ein paar hundert Meter weiter gelangten wir in den historischen Stadtkern, welcher eine Fußgängerzone bietet - mit dem Unterschied dass auch hier Radfahrer geduldet und auch von den Fußgängern toleriert werden.

Nach einiger Zeit standen wir dann vor einer roten, einem Radfahrer ähnelnden Figur - dem Stadtlogo für die Tour de France 2015. Start der diesjährigen Tour ist nämlich Utrecht mit einem 14 km Stadtkurs vorbei an den typischen Grachten, mit abgestellten Fahrrädern bespickten Geländern.

Tag 2 - CX Weltcup-Finale Hoogerheide

Die Anreise zum GP Adrie van der Poel erfolgte mit dem Auto und eine erste Ahnung zu den Dimensionen eines UCI-Events wurde uns bereits bei der Autobahnabfahrt geboten, als man schon Werbeplakate und Wegweiser in das kleine Dorf Hoogerheide im Süden der Niederlande sehen konnte. In der kleinen Ortschaft angekommen sah man schon von weitem den Eingangsbogen, und das mehrere hundert Meter lange Fahrerlager. Weiter ging es dann am weiträumig abgesperrten Eventgelände mit mehreren Fanartikelzelten und dem Blick zur Wechselzone, die mit ca. 70 x 35 m etwas größere Ausmaße als die bei heimischen Rennen ausreichenden Zonen bot.

Auf dem hügeligen Gelände wurde ein 2,85 km langer Rundkurs geschaffen, der neben der asphaltierten Start-Ziel-Gerade natürlich einiges an Querfeldein inne hatte. Neben einer Sandpassage, die nach kurzer Zeit nur noch zu Fuß zu bewältigen war, gab es auch enge Walddurchfahrten und Laufpassagen auf Dämme. Als größtes Hindernis kristallisierten sich jedoch mit zunehmenden Tagesverlauf die flacheren Wiesenpassagen heraus, welche durch das feuchte Wetter immer tiefer und somit kraftraubender wurden.

Um 10:00 Uhr erfolgte mit den Junioren der Startschuss zum letzten Weltcup-Rennen der Saison. Bereits um diese Uhrzeit waren einige hundert Zuseher entlang des Kurses um die Fahrer anzufeuern. Sehr beeindruckend war bei den Junioren zu sehen, wie diese teilweise über Gatschabfahrten, und Spurfurchen hinweg zogen als würden sie auf einer Straße fahren.

Eine Stunde später startete die U23 ihr Rennen. Hier war bereits kraftmäßig ein klarer Unterschied zu den Junioren zu erkennen, da diese beinahe leichtfüßig den Damm kurz vor dem Ziel, geschultert mit dem Rad, hinauf sprinteten. In der Wechselzone konnte man schon einen Eindruck davon erhalten, wie wichtig dieser Teil der Strecke ist. Ein perfekt ausgeführter Radwechsel büßt keine Sekunde ein, gerät man jedoch in Verkehr, oder rutscht dem Betreuer oder Fahrer das Rad etwas davon können gleich einige Positionen verloren gehen.

Nach einem Kinder-Promotion-Rennen und Stärkung bei den Snackständen mit Kroketten, Frikandellen und Friets gingen die Damen um 13:30 an den Start - mit dabei die junge österreichische Staatsmeisterin  Nadja Heigl. Leider gelang ihr nicht so ein dominanter Auftritt wie bei den heimischen Rennen, wo sie konkurrenzlos ihr Rennen bestreitet. Bereits in der ersten Runde fiel sie in den hinteren Teil des Felds zurück und konnte sich nicht wieder weiter nach vorne arbeiten, jedoch konnte sie im Gegensatz zu einigen anderen Fahrerinnen das Rennen bis zum Ende ausfahren und so Weltcup-Punkte sammeln und sich im Ranking leicht verbessern. Der Sieg gelang mit Eva Lechner einer Südtirolerin.



Das Rennen der Elite startete um 15:00 Uhr und zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits über 7.000 Zuseher auf dem Gelände, die Lautstark die Fahrer anfeuerten und mit Instrumenten und einfallsreichen Verkleidungen eine herausragende Stimmung erzeugten. Nach kurzer Zeit konnte mit Mathieu van der Poel - Sohn der niederländischen Cyclocross-Legende Adrie van der Poel, dem das Rennen gewidmet wird - schon ein Anwärter auf den Sieg des Rennens ausgemacht werden. Ohne einen Ausrutscher durchfuhr er über eine Stunde lang die Rundstrecke und zeigte dabei in den technische anspruchsvollsten Passagen seine Stärken. Bei einer  herabgeneigten 180°-Wende um einen Baum herum stiegen zum Beispiel alle Fahrer, bis auf ihn ab, wodurch er hier mehr Schwung für die folgende Passagen einige Sekunden gutmachen konnte. Auch am restlichen Kurs sah man ihm seine Überlegenheit in Hoogerheide an, was ihn schließlich berechtigt zum Sieg brachte.

Zusammen mit der Zieleinfahrt löste sich die Veranstaltung sehr rasch wieder auf, und es wurde bereits mit den Abbauarbeiten begonnen um alles rechtzeitig zur WM nach Tabor (CZ) am kommenden Wochenende zu bringen, wo wieder wir und andere cycleneers auch die Fahrer anfeuern werden.

Tag 3 - Amsterdam

Der Abschluss des Wochenendtrips erfolgte in Amsterdam, wo wir leider bis am frühen Nachmittag mit schlechtem Wetter begrüßt wurden - was jedoch die radfanatischen Niederländer nicht vom Radfahren abschreckt, auch hier ist das Verhältnis von Fahrrädern zu Autos ein deutlich anderes als zum Beispiel in Wien...

Aus diesem Grund führte uns der Weg zur Heineken Experience in der ehemaligen Brauerei des niederländischen Kultbieres, wo wir in einer Simulation selbst zu Bier wurden und anschließend noch das eine oder andere Glas verkosten durften. Weiter ging es - wie sich für Städtetrips gehört - zum Hard Rock Cafe. Nach abgehen des gesamten Zentrums der Stadt ging es abends wieder mit dem Zug zurück nach Schiphol zum Flughafen.

Ohne selbst mit dem Rad gefahren zu sein gelang uns ein radintensives Wochenende mit sicher in Erinnerung bleibenden Eindrücken aus dem Radland Niederlande, welches aus Radfahrersicht ein gutes Vorbild für Österreich gibt. Wir freuen uns schon auf die CX Weltmeisterschaft in Tabor (CZ) am kommenden Wochenende.

 

         Dominic Gritsch und Matthias Weber