· 

ASVÖ King of the Lake

Dominic Gritsch und Matthias Weber versuchten sich erstmals bei einem Einzelzeitfahren und suchten sich dafür nicht irgendein Rennen aus, sondern DAS Einzelzeitfahren schlechthin in Österreich, wenn nicht sogar europaweit, wie einige internationale Radprofis meinten, die dieses Rennen als Saisonabschluss nutzten. 47,4 km abgesperrte Bundesstraße, 250 hm, 1.100 Teilnehmer - das war ASVÖ King of the Lake 2016 am Attersee.

(Fotos: sportograf.com)

Das Zeitfahren ist eine Disziplin des Straßenradsports, bei der die Fahrer oder Teams einzeln eine bestimmte, normalerweise relativ flache Strecke zurücklegen müssen. Die Fahrer bzw. Teams starten mit zeitlichem Abstand, sind also auf sich allein gestellt. - Wikipedia.org


Soviel mal als Erklärung zu dieser Radsportdisziplin. Austragungsort war der Attersee im Salzkammergut, welcher der größte zur Gänze in Österreich liegende See ist und daher prädestiniert für ein Zeitfahren dieser Dimension. Bereits im Zuge der Vorberichterstattung in den Medien und den Teilnehmerinformationen in den Wochen zuvor wurde uns recht schnell klar, dass es etwas Größeres als die bisherigen Rennen in dieser Saison werden würde - aber unsere Erwartungen sollten noch deutlich übertroffen werden...

Schon nach der Abfahrt von der Autobahn sind erste Wegbeschreibungen zur Veranstaltung zu sehen, sowie die Info, dass den Nachmittag über die gesamte Strecke rund um den See abgesperrt sein würde. Je näher wir dem See kommen, desto häufiger werden die Informationen und schließlich werden wir zu einem Parkplatz gelotst wo bereits die ersten Radfahrer ihre Lager aufschlagen und Einige mit Startsackerln aus dem Zentrum kommen.

 

Nachdem wir unsere reichlich gefüllten Startsackerl und noch ein kleines Mittagessen geholt haben geht es zum Start-/Zielbereich. Hier wird uns nochmal klar welches Format diese Veranstaltung hat. Vorbei an mehreren Ausstellerzelten, wo die neuesten Räder, Kleidungen und Radcomputer präsentiert werden,  gehen wir ins Festzelt wo die Fahrerbesprechung abgehalten wird. Präsentiert wird das Ganze natürlich von Walter Ameshofer, der uns vor allem von den Querfeldeinrennen bestens bekannt ist und, aufgrund seines umfangreichen Wissens und Interesses in der Rapdsportszene, sicher als "Heinz Prüller des österreichischen Radsports" bezeichnet werden kann. Neben den allgemeinen regulatorischen Hinweisen werden uns nochmals die beeindruckenden Zahlen zu dem Event aufgezählt - 47,4 km abgesperrte Bundesstraße, 1.100 Teilnehmer aus mehreren Nationen, weit über 100 Securities entlang der Strecke.

Gestartet wird mit den 4er Mannschaftszeitfahren im 30 Sekunden-Intervall. Hier wird bereits ersichtlich, dass das Teilnehmerfeld weit gefächert ist - von Hobbyathleten, die inkl. Radio unterwegs sind, zu professionellen Teams die nur wenige cm Rad zu Rad lassen, ist alles dabei. Wir beobachten das Ganze vom Parkplatz aus, wo wir uns auf unsere Starts vorbereiten und auf der Walze einrollen.

 

Matthias, der sich noch speziell für dieses Rennen im August ein Zeitfahrrad organisiert hat und wenige Wochen zuvor noch die Strecke besichtigt hat, startet dementsprechend in der Zeitfahrradklasse u40m. Gestartet wird bei den Einzelstartern im 15 Sekunden-Intervall von zwei Startplätzen aus - alles top organisiert und vor vielen Zuschauern erstklassig moderiert. Robert, der wieder dankenswerterweise als Betreuer mit dabei ist, und ich verfolgen Matthias über das zur Verfügung gestellte Livetiming. Bereits bei der ersten Zwischenzeit lässt sich erahnen, dass Matthias sein gestecktes Ziel erreichen wird - eine schnellere Zeit als bei seiner Streckenbesichtigung die er mit 1:15:00 absolvierte.

Während Matthias bereits eine halbe Stunde auf der Strecke ist, mache ich mich auf dem Weg zum Start und höre bereits von Walter Ameshofer die Anmoderation, dass nun die stärkeren Fahrer mit Chancen auf Stockerlplätze an den Start gehen werden. Die Rede ist unter anderem von Pierre Bischoff, der dieses Jahr das RaceAcrossAmerica gewinnen konnte, kurz vor mir startet und mir noch viel Erfolg für das Rennen wünscht. Ich selbst bin mit meinem normalen Rennrad unterwegs und habe mir - auch aufgrund miserabler kleinerer Tests bei Unterlenkerfahrten in den letzten Wochen - das bescheidene Ziel gesetzt unter 1:20:00 zu fahren. Mit Null Ahnung wie ich mir das Rennen einteilen soll, aktiviere ich lediglich die Distanz- und Wattanzeige auf meinem Garmin, blende alles andere aus und nehme mir vor, die ersten 10km mal "vorsichtig" anzugehen. Bereits nach wenigen Kilometern überhole ich andere Fahrer, und ein Blick auf die Wattanzeige lässt auch bei mir bereits früh erahnen, dass das gesteckte Ziel durchaus erreichbar ist - aber ich habe noch 3/4 vom Rennen vor mir...

 

Entlang der Strecke stehen immer wieder Zuschauer die einen motivieren anzugasen, und es funktioniert. Ich bin zwar mehr oder weniger mit einem Tunnelblick unterwegs und bekomme - leider - eigentlich nichts von der wunderschönen Landschaft um mich herum mit, jedoch das Glockenläuten und den Applaus der Zuseher dringen durch und motivieren enorm. Am südlichsten Punkt kommt dann einer der etwas schmerzenderen Anstiege, vor denen mich Matthias und Robert noch vorm Start warnten. Auch hier stehen einige Zuschauer, und das hilft enorm - noch dazu weiß ich nun, dass ich ca. die Hälfte hinter mir hab, mir jedoch der unrythmische und welligere Teil der Strecke noch bevor steht. Bei Kilometer 30 werfe ich dann einen Blick auf meinen Garmin und schaue mir die bisherige Durschnittsleistung an - 280W. Ich spüre, dass ich noch Reserven habe und nutze den kleinen Anstieg vor mir um im letzten Drittel noch etwas "aufzudrehen".

 

Wenige Kilometer vor dem Ziel kommt er dann - der "böse Anstieg" mit über 10% der bereits in der Ausschreibung und von Matthias erwähnt wurde, aber zum Glück nur kurz ist. Dieser Anstieg fordert nach einer geschätzten Stunde Vollgas alles was noch irgendwo vorhanden ist, aber ich komme drüber und versuche weiter Gas zu geben. Ein Blick auf den See lässt mich schon den Zielbereich sehen und die Zuschauermenge wird auch schon dichter - nicht mehr lange! Nun kommt der von Walter Ameshofer in der Fahrerbesprechung hervorgehobene Streckenteil - die letzte Kurve vor dem Ziel, welche mit 90° auf eine Brücke führt und somit die einzige Stelle ist, an der man bremsen und sich noch nach 47 km auf Anschlag fahrend voll konzentrieren muss. Danach gleich aus dem Sattel und im Wiegetritt noch die letzten Reste aktivieren. Und dann... Ziellinie... Vorbei... Geschafft!

Irgendwie quäle ich mich vom Rad, gehe - oder so ähnlich - durch den Zielbereich, wo mir der Chip vom Rad abgenommen wird, und setze mich nochmal aufs Rad um die 300 m zum Auto zu rollen. Das sind die schmerzhaftesten Meter des Tages. Ich spüre jede Faser des Oberschenkels und weiß - perfekt eingeteiltes Rennen, kein weiterer Kilometer wäre mit dem Tempo gegangen. Beim Auto angekommen warten bereits Matthias und Robert, die via Livetiming schon wissen, dass ich mein gestecktes Ziel erfüllt habe.

Matthias Weber

1:11:16,41 (61. EZF u40m)

 

Dominic Gritsch

1:12:35,53 (27. RR u40m)

Noch nicht ganz realisiert wie die Rennleistung nun einzuordnen ist, werfe ich einen Blick auf die Daten meines Garmin und sehe, dass ich das letzte Drittel noch eine deutliche Steigerung erreichen konnte und verglichen mit den Ergebnislisten aus dem letzten Jahr ein sehr starkes Rennen fuhr. Dies erspart jedoch nicht das schmerzende Ausrollen auf der Walze, bei dem ich alles spüre.

Um unseren erfolgreichen Straßensaisonabschluss noch gebührend zu feiern gehen wir nochmal zum Start-/Zielbereich und belohnen uns mit einem mehr als verdienten Bier. Es war eine perfekt organisierte Veranstaltung, bei hervorragenden Wetterbedingungen, genialen Zuschauern und Umfeld, sowie schon jetzt sehr viel Vorfreude auf King of the Lake 2017, wo wir auf jedenfall wieder teilnehmen möchten und dies jedem Radsportler mehr als nur empfehlen können.

Das war ein grandioser Abschluss unserer ersten vollen Straßensaison.

 

 

Dominic Gritsch