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ASVÖ King of the Lake

sportograf.com
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Alle Jahre Wieder

Bereits zum dritten Mal in Folge haben wir uns Startplätze für den ASVÖ King of the Lake sichern können - dem größten Einzelzeitfahren Europas. Dieses Jahr waren 1275 TeilnehmerInnen am Start um die 47,2km abgesperrte Strecke rund um den Attersee abzuspulen.

Trotz der aus radlerischer Sicht eher bescheidenen Saison war die Vorfreude auf das Radevent des Jahres dennoch ungetrübt. Bei keinem anderen Einzelzeitfahren hat man auf fast 50km die Straße für sich allein, immer wieder Fangruppen entlang der Strecke, Start/Ziel/Parkplatz nahezu auf einem Fleck und obendrein noch eine hervorragende Organisation. Einzig die lange Radpause und leichte Verkühlungen dämpften ein bisschen die Stimmung, und Matthias entschied sich kurz vor dem Event dann leider doch zur Absage um fit in die bevorstehende Cyclocross-Saison zu gehen.


Also geht es für mich dieses Jahr Solo zum Attersee. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wird das letzte Straßenrennen im Kalender zugleich auch mein erstes sein. Durch den diesjährigen Fokus auf den Ironman 70.3 Zell am See vor drei Wochen und meinem berufsbegleitenden Masterstudium verzichtete ich dieses Jahr auf eine Straßenlizenz und aufgrund von Überflutungen im Tal und Schneefall auf dem Hochkönig wurde der Radbewerb in Zell am See kurzerhand gestrichen. Somit gehe ich diesmal mit 0 Rennkilometern und überhaupt drei Wochen Radpause beim KOTL an den Start...

 

Bereits am Vorabend alles hergerichtet komme ich schon wenige Minuten nachdem ich auf dem Weg mache darauf, dass ich den Schnellspanner für die Trainingswalze zuhause liegen gelassen habe, also geht es erst mal wieder retour. Pünktlich zu Walter Amershofers ersten Worten komme ich dann noch im Eventzelt an, wo das Pre-Race-Meeting mit allen Infos stattfindet - als Neuerung gegenüber den Vorjahren werden heute Penaltykarten eingesetzt (immerhin etwas Triathlonflair, wenn schon der IM70.3 als Duathlon ausgetragen wurde).

Ansonsten bleibt dieses Jahr alles beim alten. Zuerst starten die Bundesliga-Teams ihr letztes Rennen der Saison als Mannschaftszeitfahren, im Anschluss kommen die Hobby-4er-Mannschaften dran und dann Unmengen an Einzelstartern. Mitten unter den Einzelstartern (wo vom Jugendlichen bis zum Senior alles vertreten ist) befinden sich auch Ultra-Radfahrer Christoph Strasser, und als Letzter der Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Georg Preidler.

 

Ich selbst starte wie in den letzten Jahren unter den letzten 100, habe also wieder einige Stunden Zeit bis zu meinem eigenen Start. Die restliche Zeit für einerseits für ein kleines Mittagessen, als auch für einen Gang durch die Stände der Radexpo am Eventgelände genutzt. Um 13:00 Uhr erfolgt dann der Start der Bundesliga-Teams, welche im Gegensatz zu den Hobby-Mannschaften mit Zeitfahrrädern unterwegs sein dürfen und dementsprechend auch mit ordentlichen Zwischenzeiten aufhorchen lassen. Bei den anschließenden Hobby-Teams die nur zu viert und mit normalen Rennrädern starten dürfen, ist die Stimmung an der Startrampe sichtlich angespannter als bei den Profis.


Am Nachmittag kommt auch noch unser Teambetreuer Robert mit seiner Frau Karina vorbei und es wird kurz seine bevorstehende Radservice-Eröffnung (22.09.2018, Waldkirchen/Thaya) besprochen, sowie die startende Cyclocross-Saison. Während Florian Posch (POSH cycling) - ein langjähriger Freund des Vereins - bereits sein Team-Rennen hinter sich gebracht hat und deutlich verausgabt vom Rundkurs sein verdientes Cola trinkt, mache ich mich schon langsam auf dem Weg zum Auto und starte die Vorbereitung fürs Rennen.

 

Startnummern aufkleben, Chip befestigen, Radgewand und Getränke/Gels herrichten, Trainingswalze aufbauen und dann natürlich noch Reifen aufpumpen damit es richtig schön dahin rollt. Beim Aufwärmen auf der Walze kommt auch nach wenigen Minuten die erwartete bzw. eher befürchtete Leistungseinschätzung von meinem Garmin-Radcomputer der meine heutige Tagesverfassung als "sehr schlecht" einschätzt - kein Wunder nach drei Wochen Pause. Nach 30min Aufwärmen ist dies aber auch erledigt und der Puls zwischendurch mal auf über 180bpm gebracht worden um etwas aufzuwachen. Die persönliche Vorgabe fürs Rennen sind mal vorsichtig 260W (bzw. 280W NP), die ich bereits letztes Jahr mit ähnlich schlechten Vorwochen erreicht habe.

 

Kurz vor 17:00 Uhr ist es schließlich soweit - der Startaufruf erfolgt und ich nehme neben Jürgen Pansy (Bernhard Kohl Cycling Team) Aufstellung.

 

 

10 Sekunden... 5 Sekunden...

Garmin starten... 3, 2, 1, Los!

Unmittelbar nach dem Start folgt eine ca. 200m lange Rampe auf der gleich mal die Beine getestet und der Puls raufgebracht wird - in meinem Fall knapp 1.100W und 185bpm. Von nun an geht es bis auf ein paar Schwupfer lange Zeit recht flach und flott dahin. Nach einigen Kilometern kommen bereits erste Gedanken wie die nächsten 40km wohl werden wenn bereits jetzt die Beine etwas schwer wirken, aber bei KM10 werden die Beine etwas leichter und die drei Wochen Radpause wirken fast wie vergessen.

Überraschende 280W Schnitt sind einstweilen abgespult und ich spüre, dass noch etwas mehr drinnen ist. Mit zwei anderen Teilnehmern gibt es auf ca. 3/4 der Strecke immer wieder gegenseitiges Überholen und dies motiviert umso mehr Gas zu geben. Bereits aus den letzten Jahren weiß ich allerdings dass die bösen Abschnitte erst folgen... Den Anstieg bei Streckenhälfte absolvieren wir fast nebeneinander - oben angekommen nehme ich erstmal etwas raus um ein Gel zu essen und Beine und Puls etwas Ruhe zu gönnen bevor die kleinen kraftraubenden Anstiege kommen auf welchen ich mir vornehme diese zwei einzuholen.

 

Kurz nach KM31 bei Parschallen kommt nun der erste zache Anstieg der sich über ca. 500m zieht und mit 210bpm auch das Pulsmaximum meines heutigen Rennens darstellt. Das Zwischenziel kann ich jedoch erreichen und unsere kleine dreier Gruppe ist wieder in Sichtweite zueinander beisammen. Ein paar Kilometer später folgen bei Nußdorf noch ein längerer und kurzer knackiger Anstieg und ich weiß dass jetzt der richtige Moment ist um einen Vorsprung auszufahren, was mir auch gelingt. Mit Buchberg folgt noch ein kurzer aber mit über 10% sehr kraftraubender Anstieg auf dem ich mit 600W nochmal alles raushole.


Von jetzt an geht es noch 5km wellig dahin und mit einer 90° Kurve folgt kurz vor dem Ziel auch die einzige Stelle der Strecke an der man bremsen muss und jedenfalls noch volle Konzentration braucht. Eben hier überholt mich noch Christoph Strasser, was mir jedoch auf den letzten Metern für den Zielsprint eine Motivation verschafft.

1:12:10,89 lautet schlussendlich meine Zielzeit, deutlich besser als im Vorjahr, und sogar eine halbe Minute schneller als vor zwei Jahren als ich sehr viele Rennkilometern in den Monaten zuvor absolvierte.

 

Schließlich kann ich mit der heute erreichten Zeit einen neuen persönlich Rekord aufstellen, und mit 290W (310W NP) Schnitt auch eine deutliche Leistungssteigerung, was den Saisonabschluss umso erfreulicher macht. Nächstes Jahr klappt es dann hoffentlich mit dem Zeitfahrrad und die 1:10 sollen auch endlich fallen.

 

 

Dominic Gritsch


Fotos: Dominic Gritsch, sportograf.com